SEETHEWORLDbild round_the_world_fare_de_516x100 IMG_5868
navbar_bg

21.07.2008 - 27.07.2008 Zimbabwe

21 SEE Zimbabwe (7)Reisende, die kürzlich hier waren, haben uns Zimbabwe, deutlich schöner beschrieben, als sein aktueller Ruf verspricht. Darüber hinaus beherbergt dieses fruchtbare Land einige der wirklich wichtigen Sehenswürdigkeiten Afrikas. Zu guter Letzt ist es auf unserer Route auch der kürzeste Weg zu unserem nächsten Ziel: Moçambique. Die Neugier siegt, der Adrenalinspiegel steigt.

So stehen wir also an der Grenze zu Zimbabwe. Die Einreiseformalitäten sind sehr schnell erledigt und genauso schnell erkennen wir, dass die einheimische Währung (ZimDollar) nichts zählt, US Dollar ist dagegen alles.

Unser Eindruck nach ein paar hundert Kilometern im Land: “Verknappe das Benzin und du sparst bei der Instandhaltung der Strasse viel Geld.” Die Fernstrassen sind jedenfalls leer und in wunderbarem Zustand. Wir wollen aber nicht die Strassen sehen und machen uns umgehend auf in die Matobo Berg21 SEE Zimbabwe (57)e.

Den schönsten Punkt in diesen außergewöhnlichen Felsen hat sich der englisch/südafrikanische Vollblutkolonialist Cecil Rhodes, dessen Name dieses Land früher Trug -Rhodesien-, für sein Grab ausgesucht. Wir sind jedoch ganz sicher nicht wegen diesem Typen hier, nein, denn es soll hier ganz formidable Eidechsen geben (was Matthias Herz höher schlagen lässt). Die Regenbogenechsen sind überzeugend bunt und waren den weiten Weg wert. Doch was wir dann sehen lässt unser Herz höher schlagen, da sind sie, spitze Nase, grauer Pelz. Die Echsen sind nur noch Statisten, die wahren Stars auf diesem Hügel sind zwei seltene und sehr scheue Elefantenspringmäuse, oder auch Dreizehenrüsselhund genannt. Leider sind dies auch schon die einzigen Tiere, die in diesem großen Nationalpark nicht aufgegessen wurden.

Geld tauschen sollte man hier nur auf dem Schwarzmarkt. Der offizielle Wechselkurs der Banken hinkt dem tatsächlichen Wertverfall des ZimDollar ein wenig hinterher. So könnten wir uns, wenn wir am Geldautomaten den minimalen Betrag abheben (ca. 400 EUR), davon gerade mal eine Hand voll Brot kaufen. Also machen wir uns auf den Weg zum Schwarzmarkt, ein echtes Abenteuer für uns kriminell Unerfahrene. Letztendlich ist es im Land der Schwarzen leicht den Schwarzmarkt auch zu finden. Hier ziehen wir umgehend den Hauptgewinn, quasi den Jackpot. Binnen Minuten werden wir zu Trillionären. Aus gerade einmal 10 US Dollar werden 1,125 Trillionen ZimDollar. Wir sind reich, denn wir haben die Taschen voller Geld. Doch wir müssen uns auch beeilen, werden förmlich zum Geld ausgeben gezwungen, denn das Geld hat ein Verfallsdatum...

21 SEE Zimbabwe (53)In einer traurigen Fahrt durch das Buschland, das einst zu den wertvollsten und fruchtbarsten Äckern Afrikas gehörte, fahren wir nach “Great Zimbabwe”. Die mit den Inkas verglichene Hochkultur errichtete hier im 10ten bis 13ten Jahrhundert eine Stadt, deren Dächer und Mauern, der Sage nach, mit Gold gedeckt waren. Während wir in Europa gerade von den Bäumen steigen und uns gegenseitig mit Keulen die Köpfe einschlagen, wurde hier bereits Handel (Gold, Diamanten, Edelsteine, Nashorn-Horn, ...) mit der ganzen Welt, bis hin zu China, betrieben.

Gold und Edelsteine finden wir leider keine, aber was können wir auch schon für gerade mal 900 Billionen Eintritt erwarten. Dafür spüren wir die Magie dieses besonderen Ortes während wir stundenlang durch Mauerruinen klettern. Dort haben sie schon damals, zum Bau ihrer Häuser Granit gespalten. Zuerst wurden einzelnen Granitblöcke aus dem nahen Fels gehauen, die daraufhin erhitzt wurden. Dies war ein wichtiger Punkt im ganzen Ablauf, denn nicht nur die Temperatur des Feuers, sonder auch die in den Steinblöcken differenten Wärmezonen beeinflussen bereits jetzt die späteren Spaltzonen. Dann schreitet der Spaltmeister zur Tat, naja, wir könnten Euch nun noch Stunden mit den Details des Granitspaltens von vor 1.000 Jahren langweilen, wir stromern aber lieber mit Euch noch ein wenig weiter über sich windende Wege. Diese sind eng gesäumt von Steinmauern aus Granitscheiben die ohne Mörtel lose aufeinander geschichtet wurden. Ach, da wären wir ja wieder bei den Granitscheiben...

21 SEE Zimbabwe (70)Mangels Alternativen und weil es die letzte Nacht so schön war, übernachten wir wieder im Busch. Der Glaube, dass wir hier nur auf dem Instandhaltungspfad der Stromleitung über uns stehen (es Weg zu nennen wäre auch wirklich übertrieben gewesen), währt nicht lange. Bald schon schlendern ein paar Mienenarbeiter vorbei. Ein nettes Gespräch und der positiven Bescheid, dass wir hier übernachten können reicht uns aus, wir fangen an unsere Suppe zu kochen. Gerade ist der Deckel auf den Topf gelegt, schlendern ein paar neugierige Frauen heran. Lucilla ist besonders vorwitzig und verkündet selbstbewusst, das sie heute mit uns zu Speisen gedenkt. Ihre Freundinnen kichern und zupfen sie verschämt am Ärmel, das könne sie doch nicht machen. Auf uns lastet das Bewusstsein das diese Menschen sich mit ihrem täglichen Maisbrei gerade mal über Wasser halten können, ohne zu verhungern. Gerne würden wir unser Essen auch mit ihnen teilen, nur dann hätten wir binnen Minuten eine Hundertschaft von Leuten zu versorgen.

Also argumentieren wir, dass das Essen noch nicht fertig sei. Lucilla lässt nicht locker und erkundigt sich genau was wir denn kochen und wie lange es noch geht. “Oh”, sagen wir, “deutsches Essen muss sehr lange kochen, so 3-4 Stunden”. “Eh!”, der typische Ausruf des afrikanischen Erstaunens, “4 Stunden”, da ziehe sie doch das afrikanische Essen vor: Wasser kochen, Maismehl einrühren, aufkochen und schon kann man essen. Tuschelnd überzeugen ihre Freundinnen sie nun, dass 3 Stunden warten doch zu lange ist, es ist ja schon dunkel. Murrend folgt sie ihnen, dreht sich aber noch einmal um und ruft kühn: “Hebt den Rest für mich bis morgen auf!”. Uff, schnell verkriechen wir uns in unser Auto um dort in ruhe unsere Suppe zu essen.

21 SEE Zimbabwe (77)Wir brechen am nächsten Morgen früh auf, doch wir kommen nicht weit. Dieses Mal bremst uns nicht unser Auto aus. Freundlich aber bestimmt werden wir angehalten, von ca. 10 Männern und Frauen. Es dauert eine Weile, bis wir sie davon überzeugen können, dass wir nichts Böses wollen und bis wir sicher sind, dass sie uns auch nichts Böses wollen. Die hitzigen politischen Diskussionen, die Matthias mit dem Chairman (Bürgermeister) und die Freundschaftsbekundungen, die Grit mit dem Dorfältesten austauschen, enden mit der Überreichung von Zucker und Schwarztee als Dank für die Übernachtung.

Uns wird das volle Ausmaß der Situation in Zimbabwe in genau diesem Augenblick bewusst, als sich der Chairman bedankt, mit Tränen in den Augen und den Worten: “Tee und Zucker hatten wir das letzte mal vor einem dreiviertel Jahr.”

Wir blicken nach Osten und sehen bereits Mozambique, während wir durch die botanischen Gärten der Vumba Berge streunen. Diese im englischen Stil angelegt Anlage lässt ihren einstigen Glanz vor allem im Eintrittspreis erkennen. Dennoch muss das Gelände Biologen und Botaniker begeistern. Kulturpflanzen und Züchtungen bestreiten ihren eigenen Weg zur Auswilderung. Wohl an wenigen Orten dieser Welt wird gezeigt, wie die Pflanzen eines englischen Gartens ihre Freiheit zurück erkämpfen, während der Gärtner seit ein paar Jahren im Schatten vor sich hin döst.

Wir verlieren keine Zeit mehr und fahren nun dorthin, wo wir aus dem botanischen Garten bereits hingeblickt haben, es geht nach Mozambique...

 

[Startseite] [Das sind wir] [Reisetagebuch]